Wie der Ukraine-Krieg Anleger zu Fehlern verleitet

In Krisenzeiten wie diesen sollten Anleger einen kühlen Kopf bewahren. Viele machen aber genau das Gegenteil und handeln spontan und unüberlegt. Damit schaden sie ihrem Portfolio mittel- und langfristig mehr als der Kurssturz. Diese drei Fehler sind am weitesten verbreitet, lassen sich aber vermeiden.

Fehler 1: Panikverkäufe

Aus Angst vor weiteren Verlusten verkaufen Anleger Hals über Kopf alle oder einen Großteil ihrer Aktien und Fondsanteile. Kurzfristig mögen sie sich damit auf dem richtigen Weg wähnen, wenn es in den Tagen nach ihrem Verkauf mit den Kursen weiter runter geht. Das Problem: In den allermeisten Fällen verpassen solche Anleger dann aber den richtigen Moment, um wieder einzusteigen. Ihnen entgehen der folgende Börsenaufschwung und damit die Chancen auf langfristige Gewinne (siehe Grafik).

Was Sie besser machen können

Verkaufen Sie niemals unüberlegt, sondern halten Sie auch in schwierigen Zeiten an Ihrer Anlagestrategie fest. Werfen Sie Ihre Grundsätze nicht gleich über Bord, wenn es einmal ungemütlich wird. Am erfolgreichsten hat sich in der Vergangenheit kontinuierliches Investieren erwiesen.

Sinnvoll ist es zum Beispiel, jeden Monat eine feste Summe breit gestreut anzulegen und daran festzuhalten, egal wie die Stimmung an den Märkten ist. Das geht am besten mit einem kostengünstigen ETF-Sparplan. Sind die Kurse günstig, erhalten Sie automatisch mehr Anteile für ihre monatliche Sparsumme. Davon profitieren Sie langfristig.

Fehler 2: Übertriebene Gier

Manche Anleger versuchen, Krisensituationen wie diese zu nutzen, um schnelle Gewinne zu erzielen. So haben nicht wenige kurz vor oder nach Ausbruch des Ukraine-Krieges Aktien der russischen Konzerne Gazprom oder Rosneft gekauft. Die Kurse dieser Aktien hatten im Vorfeld des Krieges starke Kursverluste erlitten. Anleger, die in diese Papiere investierten, hofften auf eine schnelle Erholung. Doch das Gegenteil ist eingetreten: Erst brachen die Kurse weiter ein, dann wurde der Handel an den europäischen Börsen eingestellt. Offen ist, wann und ob überhaupt diese Aktien je wieder gehandelt werden. Die Folge: Anleger müssen bei diesen Aktien mit einem Totalverlust rechnen.

Was Sie besser machen können

Versuche, den Markt zu schlagen, gehen meistens schief. Setzen Sie deshalb nicht auf irgendwelche vermeintlichen Schnäppchen, sondern investieren Sie am besten auch hier breit diversifiziert über ETFs. So können Sie günstige Kurse zum Beispiel nutzen, um Ihren monatlichen ETF-Sparplan mit einer zusätzlichen Überweisung außer der Reihe aufstocken.

Fehler 3: Generell von der Börse die Finger lassen

In Deutschland ist die Zahl derjenigen Menschen, die Aktien nicht trauen, traditionell groß. Durch Phasen wie diese, in denen die Kurse deutlich nachgeben, fühlen sie sich in ihrer Haltung bestätigt. Andere, die bis vor kurzem vielleicht mit einem Einstieg am Aktienmarkt geliebäugelt haben, lassen sich von den aktuellen Ereignissen entmutigen und bleiben dem Aktienmarkt auf Dauer fern.

Was Sie besser machen können

Führen Sie sich vor Augen, dass Sie mit einem intelligent zusammengestellten und breit aufgestellten Depot in der Vergangenheit über längere Zeiträume fast immer attraktive Zuwächse erzielt hätten. Aktienanlagen bergen zwar Verlustrisiken, und insbesondere kurz- und mittelfristig kann es immer zu zum Teil heftigen Schwankungen kommen. Wegen der niedrigen Zinsen und der hohen Inflation führt aber kein Weg am Aktienmarkt, wenn Sie Ihr Vermögen real erhalten oder vermehren möchten. Um die Risiken Ihres Gesamtportfolios zu reduzieren, sollten Sie nicht nur auf Aktien setzen, sondern auch einen gewissen Anleihen-Anteil im Depot haben. Auch in Anleihen investieren Sie am besten über ETFs.

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